Burschenverein Dürrnhaar

Um gleich jede Verwechslung auszuschließen: Burschenvereine (BV) haben bei uns in Südbayern absolut nichts mit säbelschwingenden Studentenschaften zu tun!!
Mitglieder des BV´s sind ortsansässige Jugendliche/Männer ab ca. 16 Jahren. Wer dann mal irgendwann heiratet scheidet automatisch aus.
Der Hauptzweck eines BV´s besteht im Organisieren von Veranstaltungen, die häufig eng mit bairischem Brauchtum verknüpft sind wie das Maibaumaufstellen mit anschließendem Maitanz. Aber auch die Ausrichtung von Sonnwendfeuern (Johannifeuer); Gartenfesten etc. gehört dazu. Ganz im Trend liegt heute auch die "Rock-Nacht" mit entsprechender Musik.

Maibaum (Eine kurze Einführung für Norddeutsche und Unwissende)

 

Der Maibaum wird alle 5 Jahre aufgestellt.
Das Ganze beginnt damit dass jemand aus dem Ort einen Baum stiften muss. Spender und Burschenverein suchen dann das geeignete Objekt im Wald aus. Groß und gerade muss er sein! Und beim Schneiden heißt es aufpassen, dass der Baum ganz bleibt!
Geschnitten und entrindet ("gescheppst") wird der Baum bereits im Herbst und lagert dann auf Rundhölzern im Wald.

      

5-6 Wochen vor dem 1. Mai wird das gute Stück geholt und bekommt seinen neuen Platz an einer sicheren Stelle im Dorf. Hier Bilder vom Maibaumholen 1983.

Nun beginnt die Zeit der Maibaumwache. Nachdem der Baum in der Ortschaft liegt kann er nämlich von anderen Vereinen gestohlen werden und zurückgebracht wird er nur gegen eine entsprechend hohe Auslöse in Form von Bier und Brotzeit. Als Wachhütte diente uns 1973 noch ein ausrangiertes Bahnhäuschen im Miniformat von ca.2x2m. Elektronische Alarmanlagen oder anderes High-Tech equipment gab es natürlich nicht. Beides ist auch heute noch verpönt. Ebenso einen scharfen Hund an den Baum zu binden, wie es einige Vereine schon mal gemacht haben.
Lediglich eine museumsreife, handbetriebene Feuerwehrsirene diente uns 1973 zur Vertreibung etwaiger Diebe. Einzuhaltende Regeln für das Maibaumstehelen wurden erst 1981 aufgestellt da es immer wieder zu Handgreiflichkeiten und unsauberen Aktionen kam. Hierein Scan vom Originaldokument.

 

 

1978 hatten wir als "Wachhütte" bereits einen Wohnwagen, liebevoll das "Wach-Ei" genannt. Maximal hatten 6 Personen und einige Bierträger Platz.

 

 

Das Modell 1983 zeigte sich schon moderner!      Und 2003 ist Platz für 50 Leute!

 

Die Maibaumwache ist ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt. Auch wenn alle Kneipen schon geschlossen haben, die Maibaumwache muss unter der Woche von 19:00h bis 7:00h morgens präsent sein, am Wochenende bis 9:00h. Pflichtbesetzung sind 2 Personen. (4 Leute eignen sich jedoch wesentlich besser zum Schafkopf!). Es ist Pflicht ein sog. Wachbuch zu führen. Die Einträge nehmen mit fortschreitenden Uhrzeit und Alkoholgenuss laufend an Schwachsinn zu.

Eine beliebte Beschäftigung ist das "Nageln". Hier muss jeder der mitmacht mit möglichst wenig Schlägen einen Nagel in einen Hackstock einschlagen. Der Clou dabei: Der Hammer besteht aus 2 zusammengeschweißten Rohren; bietet also wenig Trefferfläche.

    

2 Nagler und 2 Naglerinnen Maibaum 2003                                                                                            ...und der Spezialhammer!

 

Wer seinen Nagel als letztes einschlägt zahlt den anderen Teilnehmern eine Runde Schnaps. Das wiederum fördert die Einnahmen des Burschenvereins die an einem Samstag schon mal über 1500,00 EUR betragen können.

Untertags muss der Baum für seinen Einsatz am 1. Mai vorbereitet werden. Der Baum wird nun auf Holzstützen ("Schrag´n") gelagert, ein provisorisches Dach gebaut, und muss dann zunächst mal trocknen.

 

2003

 Nach 1-2 Wochen wird gehobelt und geschliffen bis die gewünschte Oberfläche erreicht wird, die für das Bemalen des Baumes erforderlich ist. Hier schleift der Toni gerade seinen 7. Maibaum für den Burschenverein.

Auch für die Farbgebung des Baumes sind Spezialisten gefragt, die das "Schnüren" beherrschten. Dabei werden kleine Nägel in den Baum geschlagen an denen eine Schnur so befestigt wird, dass sich eine Vorlage für das typische blaue Wendelmuster ergibt.

 

                     

2003                                                                                                                    1983

Ein Schmied oder anderer Metallfachmann  kümmert sich parallel um die "Maibaumtaferl". Hier werden sämtliche Gewerbetreibenden und Vereine in der Ortschaft auf bemalten Blechtafeln dargestellt.

Der Baum wird am Tag des Aufstellens mit einer Eierkette geschmückt. 300-500 Eier müssen gesammelt, und noch schlimmer, ausgeblasen werden. Das machen "natürlich" die Mädels in der Ortschaft!! 1983 ging das noch mit spitzen Lippen und Lungenkraft, heute übernimmt eine Hohlnadel und ein Kompressor die Arbeit. Die Mädel werden dankbar dafür sei

Damit das traditionelle Tanzen um den Maibaum am 1. Mai auch klappt sind nun regelmäßige Tanzübungsabende angesagt, zum Leidwesen der Mädels, die meist schon mehr Erfahrung haben und denen man nun kräftig auf die Füße tritt!!
Traditionell ist die letzte Wache eine "Weiberwache". Hier halten die Frauen (immer erfolgreich) die Stellung.

Aufgestellt wird nicht unbedingt am 1. Mai. Das kann auch schon mal am Tag davor gemacht werden obwohl es bei manchen Vereinen nicht gerne gesehen wird.

 

Bis 1993 wurde unser Baum noch richtig eingegraben. Dazu ist bei einem 35 m Baum ein Loch von 4-5 m Tiefe erforderlich. Der Baum muss unten dick mit Teer beschmiert werden damit ein frühzeitiges Verfaulen des Stammes verhindert wird. Das Aufstellen dauert wesentlich länger und ist deutlich risikoreicher als bei dem Verfahren mit zwei fest einbetonierten Stahlträgern.

 

 

   

2003                                                                                                                                                1983

Traditionsgemäß wird der Baum immer per Hand unter Zuhilfenahme von mehreren Sätzen "Scharstangen" aufgestellt. Hier handelt es sich jeweils um 2 mit dicken Seilen zusammengebundenen kleineren Baumstämmen. Das Binden dieser Seile will gelernt sein. Leib und Leben der Aufsteller und der zahlreichen Zuschauer beim "Maibaumaufstellen" können davon abhängen. Bei den ersten paar Metern von der waagrechten Lage bis zum "Einfadeln" der ersten Stangen hilft oft die Technik, sprich ein Bagger, mit.

Klar, dass beim Aufstellen das ganze Dorf mitmacht! Danach gibt´s traditionell das Oarschmoizessen; auf gut Deutsch "Rührei". Irgendwas muss ja mit den ausgeblasenen Eiern geschehen, oder?

     

2003                                                                                                                                            2003

Nachmittags gegen 14:30h marschieren dann die Burschen und die Madl mit Blasmusik durch die Ortschaft mit dem Endziel Maibaum. Dort hält der Vorstand die Maibaumrede und dann zeigt sich ob die Proben was geholfen haben: es wird um den Baum getanzt.

 

 

1983

Anschließend noch ein Gruppenfoto und man geht endlich zum gemütlichen Teil über. Bier, Kaffe und Kuchen für die ganze Ortschaft und der ganze Stress ist für 5 Jahre erst mal wieder vorbei.


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